Germany

Erfahrungsbericht zum Auslandsstudium

an der Shinawatra University in Thailand

Von Carmen Fakler

 

 

 

Uni-Logos

 

1. Einleitung

„Träume nicht dein Leben,
sondern lebe deinen Traum“

Mit meinem Studienaufenthalt in Thailand habe ich genau das getan. Meinen Traum vom Studium in Thailand habe ich mir erfüllt und in dieser Zeit sehr viel gelernt – über Träume und deren Erfüllung.

Zu Beginn meines Studiums habe ich erfahren, dass es eine Kooperation zwischen der Hochschule Ravensburg-Weingarten und der Shinawatra University in Thailand in der Nähe von Bangkok gibt. Für mich war klar – da will ich hin. Nach meinem Praxissemester bewarb ich mich daher für mein 7. Studiensemester an der Shinawatra University. Zwei Monate hieß es bangen, denn für diese Hochschule werden nur zwei Plätze pro Jahr angeboten. Dann im April 2007 bekam ich die Bestätigung, dass ich sowohl angenommen worden bin, als auch ein Stipendium der Landesstiftung Baden-Württemberg erhalten hatte. Doppelte Freude!

 

2. Vorbereitung des Aufenthalts

Meiner Meinung nach war die Organisation des Ganzen im Nachhinein nicht sehr aufwendig. Der größte Aufwand waren meines Erachtens die Bewerbungsformulare für die ausländische Hochschule, mit dazugehörigem Letter of Motivation und einem Zertifikat über die Englischkenntnisse. Das Visum war einfach zu beantragen. Formular ausfüllen, Passfotos, Pass und 180 Euro in den Umschlag und schon hat man ein Studentenvisum für einen 1-jährigen Aufenthalt in Thailand. Allerdings muss man alle drei Monate ausreisen, was sich aber sehr einfach mit Reisen in die umliegenden Länder verbinden lässt – wie ihr später noch erfahrt.

Von meinen Freunden bekam ich ein Buch „Kulturschock Thailand“ geschenkt. Ich habe es auch gelesen. Allerdings habe ich während meines Aufenthaltes festgestellt, dass es eigentlich gar kein so großer Kulturschock ist und das viele Informationen in diesem Buch veraltet sind. Ich rate daher jedem der einen Auslandaufenthalt in Asien plant, sammelt einige Informationen über Verhaltensweisen und Alltagsregeln und dann – lasst euch überraschen.

Außerdem habe ich mir einen Reisesprachführer „Thai“ gekauft. Man kommt zwar meistens sehr gut mit Englisch zurecht, allerdings sobald man weiter weg von den Touristenzentren ist, dann kann das schon mal hilfreich sein. Außerdem freuen sich die Thailänder sehr, wenn ein „falang“ – so nennen sie die Westler – ein paar Wörter Thai sprechen können.

 

3. Studium im Gastland

Der absolute Hammer – das war mein erster Gedanke als ich die Uni besichtigte. Eine Architektur bei der man sich fragt ob man an einer Uni ist oder im All. Die Universität zählt zu den teuersten Thailands und das merkt man. Alles vom Feinsten. Vom Zimmer im Dormitory angefangen übers Equipment in den Vorlesungsräumen und der Bibliothek bis hin zu einer Turnhalle, Fußball-, Tennis- und Basketballplatz und einem Fitnessraum. Für das leibliche Wohl sorgt die Kantine, die von Mo-Sa geöffnet hat und jedes Essen extra zubereitet. Bildung, Unterkunft und Gesundheit im Einklang um es kurz zu fassen.

 

Uni-Photo

 

Da zum damaligen Zeitpunkt nur ca. 130 Studenten an der Uni immatrikuliert waren, wurden nicht alle Kurse angeboten, die ausgeschrieben waren. Trotzdem gab es einige interessante Kurse zu belegen. Im Gegensatz zu Deutschland geht jede Vorlesung immer 3 Stunden, mit einer 15-minütigen Pause. Das heißt pro Tag kann man nicht mehr als zwei Vorlesungen belegen. Eine von neun bis zwölf und eine zweite von eins bis vier. Das ist im Gegensatz zu Deutschland sehr angenehm. Wenn man dann noch hinzufügt, dass die thailändischen Studenten und auch allgemein die Thais sehr unpünktlich sind und manchmal erst 30 Minuten später kamen, dann reduzierten sich die Studienzeiten nochmals. Meine Lieblingsvorlesung war „Philosophie und Ethik“. Philosophie wird an meiner Hochschule in Deutschland nicht angeboten, und ist soviel ich weiß auch sonst nicht üblich in Deutschland. Für mich war diese Vorlesung besonders bereichernd. Meine anderen Vorlesungen waren alle im Bereich Business angesiedelt. Vom Schwierigkeitsgrad kann ich sagen, ich fand die Inhalte leichter als in Deutschland – es ist also einfacher gute Noten zu schreiben! Ein weiterer Unterschied zu Deutschland ist außerdem, dass die Fächer sehr stark auf eine eigene Selbstständigkeit und dem Weg in die Selbstständigkeit abzielen.

 

 

Für die ausländischen Studenten werden jede Menge Ausflüge in die umliegenden Provinzen organisiert. Auch ein Sprachkurs für Thai wird angeboten, der allerdings nicht regelmäßig stattfand. Und im Wintersemester finden die SIU Sportgames statt. Bei denen alle Studenten in drei Gruppen (die Farben der Uni) eingeteilt werden und in verschiedenen Sportarten eine Woche lang gegeneinander antreten. Am Samstag werden die Sportgames dann mit verschiedenen lustigen Spielen, einem Cheerleader Wettkampf und einer Siegerehrung abgeschlossen. Daher gibt es auch fürs Campusleben die volle Punktzahl.

Der einzigste Nachteil, den ich nennen kann, war die Entfernung vom nächsten Ort. Da die Uni mitten ins Grüne gebaut wurde, ist sie ca. 10 km vom nächsten Ort entfernt und man muss daher jedes Mal ein Taxi bestellen, wenn man dort hin möchte. Da die Taxis allerdings sehr billig sind und ich außerhalb der Studienzeiten sehr viel gereist bin, war das nicht wirklich schlimm.

 

4. Aufenthalt im Gastland

Nun könnte ich anfangen Seite um Seite zu schreiben, denn die Zeit in Thailand hat mir so viel gegeben. Da ich meine Vorlesungen so legte, dass ich immer ein langes Wochenende hatte, hatte ich sehr viel Zeit zum reisen. Kurztrips nach Laos, Kambotscha, Singapur und sogar Shanghai waren dabei. Vor und nach meinem Studium bin ich auch gereist und habe Thailand und Vietnam unsicher gemacht. In dieser Zeit habe ich die unterschiedlichsten Menschen getroffen und die unterschiedlichsten Erfahrungen gemacht. Es hat mich u. a. weltoffener gemacht und anstatt Heimweh zu bekommen, bekam ich Fernweh. Ich stellte fest, dass man mit ein bisschen Eigeninitiative und Offenheit überall Freunde finden und sich Zuhause fühlen kann.

 

Touristen

 

Auch die Kultur in Thailand habe ich kennen und lieben gelernt. Vor allem die letzten Wochen, die ich überwiegend mit einer vietnamesischen und thailändischen Freundin (von der Uni) und deren Familien verbrachte, ermöglichten mir Einblicke in das Familienleben asiatischer Kulturen. Die Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft und Toleranz in diesem Land haben mich positiv überrascht. (Im Gegensatz zu meinen Reisen zu Touristenplätze, wo Abzocke und Unfreundlichkeit an der Tageordnung stehen und einem von der tatsächlichen Kultur ein falsches Bild geben).

 

5. Praktische Tipps

Durchatmen – Luftholen – und Durchstarten. Nutzt die Chancen, die man während des Studiums hat. Ich denke es ist kaum einfacher ausländische Luft zu schnuppern als während des Studiums.

Natürlich ist Eigeninitiative angesagt. Die Bewerbungen schreiben sich nicht von selbst, aber die „kleine“ Mühe wird mit Erfahrungen und Erlebnissen belohnt, die einem mit Sicherheit ein Leben lang in Erinnerung bleiben und die eigene Persönlichkeit stärken.

Keine Angst vor sprachlichen Barrieren. Die gibt es nicht. Man wird euch verstehen, selbst wenn das Englisch nicht perfekt ist. Auch das Studieren in Englisch war einfacher, als ich gedacht hatte. Klar mussten einige Wörter, besonders in Finanzierung gelernt werden, aber da muss man eben durch.

Hilfreich ist es vielleicht, wenn man bereits in Deutschland ab und zu einen Film auf Englisch schaut oder ein englisches Buch liest.

 

6. Persönliche Wertung des Auslandsaufenthaltes.

Es war die beste Entscheidung „ever“ und ich denke es wird schwierig werden, dieses halbe Jahr zu toppen. Ich wurde angesteckt vom Virus ins Ausland zu gehen. Daher habe ich das Angebot, meine Bachelorarbeit in Kanada zu schreiben, ohne mit der Wimper zu zucken, angenommen.

Ich kann jedem nur empfehlen, einen Auslandsaufenthalt wahrzunehmen. Sei es ein Praktikum oder ein Auslandssemester, es wird euch nicht nur beruflich, sondern auch persönlich weiterbringen.

„Nicht Heimweh tut weh, sondern Fernweh“

 

Zustimmungsklausel zur Veröffentlichung:
"Hiermit stimme ich zu, dass dieser Bericht auf der Internetseite des Baden-Württemberg-STIPENDIUMs und dem Internet-Portal Studyinthailand.org (Genehmigung per Email vom 21.03.2009) veröffentlicht wird."
Carmen Fakler

 

Zurück zu Studieren in Thailand